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Polizei greift ein
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Polizei greift ein (englischer Originaltitel: Pickup on South Street) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Samuel Fuller aus dem Jahr 1953. Dieser Gangsterfilm ist thematisch und stilistisch dem spĂ€ten Film noir zuzurechnen. Richard Widmark spielt den Taschendieb Skip McCoy, der durch den Diebstahl eines Mikrofilms, der brisante Informationen amerikanischer Kommunisten an die Sowjetunion enthĂ€lt, zwischen die Fronten des Kalten Kriegs gerĂ€t und letztlich die Liebe der bestohlenen Candy (Jean Peters) gewinnt. Der Film wurde sowohl in der deutschen als auch in der französischen Synchronfassung entpolitisiert, indem die kommunistischen Spione durch DrogenhĂ€ndler ersetzt wurden. Der Film gewann 1953 den Bronzenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig. Deutscher Alternativtitel ist Lange Finger – harte FĂ€uste, der deutsche Fernsehtitel Alarm auf der South Street.

Contents

‱ Handlung
‱ Produktion
‱ Rezeption
‱ Nachwirkung
‱ Inszenierung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Handlung

Skip McCoy ist ein Taschendieb in New York City und lebt abgeschieden in einer kleinen FischerhĂŒtte am Hafen.cite-ref-2[2] Bereits dreimal von der Polizei verhaftet, muss er befĂŒrchten, bei der nĂ€chsten Verhaftung lebenslang hinter Gitter zu wandern. In der U-Bahn stiehlt er aus der Handtasche von Candy ihre Geldbörse. Was er nicht weiß: Die Geldbörse enthĂ€lt einen Mikrofilm mit geheimem Material, das amerikanische Kommunisten der Sowjetunion ĂŒbergeben wollen; Candy soll die Überbringerin des Films sein, von dessen Brisanz ahnt sie allerdings nichts. Beamte des FBI, die Candy beschatten, beobachten den Diebstahl, allerdings kann Skip ihnen entwischen. WĂ€hrend Candy, nachdem sie den Diebstahl entdeckt hat, verzweifelt ihren Ex-Freund und Auftraggeber Joey informiert, begibt sich FBI-Agent Zara zur Polizei, um in der dortigen Verbrecherkartei den Taschendieb identifizieren zu können. Captain Tiger vom NYPD schaltet die Gelegenheits-Polizeiinformantin Moe Williams ein, um dem Dieb schneller auf die Spur zu kommen. Moe identifiziert Skip anhand seiner „Handschrift“ beim Diebstahl und verrĂ€t ihn fĂŒr 50 Dollar an die Polizisten. Skip wird in seiner HĂŒtte ausfindig gemacht und zu Tiger und Zara auf das PolizeiprĂ€sidium gebracht, leugnet jedoch den Diebstahl, auch nachdem er damit konfrontiert wurde, dass der gestohlene Film Teil einer Spionageaktion gegen die USA ist. Auch ein Angebot, dass seine Vorstrafen getilgt werden könnten und er wieder ein unbescholtener Mann wĂ€re, wenn er kollaborieren wĂŒrde, schlĂ€gt er aus.

Auch Candy versucht auf DrĂ€ngen von Joey, Skip ausfindig zu machen. Durch ihre Unterweltkontakte erhĂ€lt sie den Tipp, sich an Moe zu wenden. Candy erhĂ€lt von Moe Skips Adresse, wird aber von Skip niedergeschlagen, als er sie beim Durchsuchen seiner HĂŒtte ertappt. Als sie wieder zu sich kommt, setzt sie ihre geĂŒbten VerfĂŒhrungskĂŒnste und eine LĂŒgengeschichte ein, um wieder in den Besitz des Films zu gelangen; die beiden kĂŒssen sich. Skip verlangt fĂŒr den Film 500 Dollar von Candy. Sie besorgt sich das Geld von Joey, doch Skip, der inzwischen ahnt, dass seine Beute einen weit grĂ¶ĂŸeren Wert hat, wirft ihr vor, Kommunistin zu sein, nimmt ihr das Geld ab und verjagt sie aus seiner HĂŒtte. Er fordert nun 25.000 Dollar von ihr. Candy wendet sich an Joeys kommunistische HintermĂ€nner, die versprechen, die Sache zu bereinigen; Joey erhĂ€lt von seinen Auftraggebern einen Revolver. Aus Angst, Skip könnte etwas geschehen, gibt Candy Joey eine falsche Adresse von Skip an und warnt Moe, deren Adresse Joey bereits kennt. Nachdem Moe Skip in einem CafĂ© getroffen und ihm mitgeteilt hat, dass Candy in ihn verliebt ist, kehrt sie nach Hause zurĂŒck, wo Joey bereits auf sie wartet. MĂŒde und desillusioniert verweigert sie Joey die Aussage, wo Skip wohnt. Joey erschießt sie. Die Polizei verdĂ€chtigt Skip, Moe erschossen zu haben und nimmt ihn kurzzeitig fest, doch auf einen Hinweis des FBI hin wird er wieder freigelassen. Skip holt Moes Sarg von dem Schiff, das diesen zum Armenfriedhof bringen sollte und sorgt dafĂŒr, dass Moe eine anstĂ€ndige Beerdigung erhĂ€lt, wie es ihr letzter Wille war.

Candy sucht Skip in seiner HĂŒtte auf und fleht ihn an, den Film der Polizei auszuliefern, weil der Besitz fĂŒr ihn lebensgefĂ€hrlich sei. Skip weigert sich, die beiden streiten sich und Candy schlĂ€gt Skip nieder, um in den Besitz des Films zu kommen. Mit diesem geht sie zur Polizei, weiß aber nicht, dass Skip ein Bild des Films entfernt hat und bei sich trĂ€gt. Tiger und Zara bedrĂ€ngen Candy, den Lockvogel fĂŒr sie zu spielen, um an die HintermĂ€nner zu kommen. Sie willigt ein und informiert Joey, dass sie den Film nun hat. Joey besucht Candy, um den Film zu holen, erkennt aber, dass ein Bild fehlt und der Film somit im Moment wertlos ist. Er verprĂŒgelt Candy und schießt sie nieder. In ihrer Handtasche findet er Skips echte Adresse. Die Polizei greift ein und rettet die schwerverletzte Candy, doch Joey kann fliehen. Skip besucht Candy im Krankenhaus und erkennt, dass sie ihn wirklich liebt. Joey und ein Komplize brechen auf der Suche nach dem fehlenden Bild in Skips HĂŒtte ein. WĂ€hrend der Komplize auf Skip wartet, um ihm das Bild abzunehmen, soll Joey schon zum Übergabetreffpunkt aufbrechen. Skip, der sich vor ihnen versteckt hat, verfolgt Joey, stiehlt in der U-Bahn den Revolver aus dessen Jacke und stellt schließlich ihn und den EmpfĂ€nger des Films bei der Übergabe im Waschraum der U-Bahn-Station. Skip ĂŒberwĂ€ltigt die beiden MĂ€nner und verprĂŒgelt Joey brutal. Der Taschendieb und die inzwischen wieder genesene Candy haben ihr Ziel erreicht: er holt sie von der Polizeistation ab, seine Akte ist jetzt „reingewaschen“. Arm in Arm verlassen sie das GebĂ€ude; ob in eine bĂŒrgerliche Zukunft, bleibt Spekulation.

Entstehungsgeschichte

Drehbuch und Vorproduktion

Fuller erhielt von Darryl F. Zanuck ein Skript fĂŒr ein Gerichtsdrama namens Blaze of Glory (dt.: „Glut des Ruhmes“) von Dwight Taylor, das als mögliches Filmprojekt fĂŒr die 20th Century Fox gehandelt wurde. Darin verliebte sich eine RechtsanwĂ€ltin in ihren wegen Mordes angeklagten Klienten. Fuller wollte jedoch die Geschichte, wie er in seiner Autobiografie schreibt, „ein paar Sprossen tiefer auf der KriminalitĂ€tsleiter ansiedeln“.cite-ref-fuller291-3-0[3] Er sagte Zanuck, er wolle „eine realistische Geschichte ĂŒber einen Kleingangster, einen professionellen Dieb, mit authentischen Dialogen“cite-ref-porfirio39-4-0[4] machen. Nach anfĂ€nglichen Zweifeln von Seiten Zanucks erhielt Fuller die Gelegenheit, das Drehbuch in diesem Sinne umzuarbeiten und eine politische Dimension einzubringen.cite-ref-fuller291-3-1[3] Fuller fĂŒhrt zu seiner Motivation aus: „Mir gefiel der Gedanke, dass die drei Hauptcharaktere ein Taschendieb, eine Nutte und eine Stadtstreicherin, die nebenbei als Polizeiinformantin arbeitet, sein sollten. Diese drei, ganz unten in der sozialen Hackordnung, sollten dann an die vorderste Front des Kalten Kriegs geraten.“cite-ref-porfirio39-4-1[4]

Anregung war fĂŒr Fuller die zu dieser Zeit in den Medien prĂ€sente Geschichte des Atomspions Klaus Fuchs, der Mikrofilme mit brisantem Material an die Sowjetunion geliefert hatte. Fuller wollte damit einen „Kommentar zum Schwachsinn des Klimas des Kalten Kriegs in den 1950ern“ abgeben.cite-ref-fuller295-5-0[5] Eine weitere Anregung war fĂŒr Fuller ein Erlebnis mit seiner Frau wĂ€hrend eines Paris-Aufenthalts, als ihr bei einer U-Bahn-Fahrt unbemerkt die Geldbörse gestohlen wurde und Fuller sich ĂŒber Kunstfertigkeit von Taschendieben Gedanken machte.cite-ref-server33-6-0[6] Die Tatsache, dass Taylors Geschichte ursprĂŒnglich im Milieu des Drogenhandels spielte und erst von Fuller politisiert wurde,cite-ref-7[7] verschweigt Fuller in seiner Autobiografie. Möglicherweise schrieb Fuller das Skript um, um den Restriktionen des Production Code zu entgehen,cite-ref-8[8] der zu dieser Zeit die Darstellung von KriminalitĂ€t und SexualitĂ€t in US-amerikanischen Spielfilmen reglementierte.

Fullers Titelvorschlag fĂŒr den Film, Pickpocket („Taschendieb“), wurde von den Verantwortlichen als „zu europĂ€isch“ abgelehnt. Auch die Alternative Cannon („Kanone“ oder „GeschĂŒtz“, amerik. auch „der Taschendieb“) wurde verworfen, da man dabei eher an einen Kriegsfilm als an ein Gangsterdrama denken wĂŒrde. Schließlich einigte man sich auf den Titel Pickup on South Street, mit dem Fuller die ihm aus seiner Reporterzeit wohlbekannte New Yorker Straße wĂŒrdigen konnte. Fuller reiste nach New York, um beim NYPD HintergrĂŒnde der authentischen Polizeiarbeit zu recherchieren. Ein Detective namens Dan Campion gewĂ€hrte ihm dort Einblick in die Fahndungsarbeit des Dezernats fĂŒr Taschendiebstahl.cite-ref-fuller298-9-0[9] Der Filmausstatter Lyle R. Wheeler ließ nach Fullers Skizzen die Sets fĂŒr den Film herstellen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Gestaltung der FischerhĂŒtte gelegt, in der Skip im Film wohnt. Bis in die kleinsten Details wie den Pin-ups an der Wand, der HĂ€ngematte, in der Skip schlĂ€ft, und der Apparatur, mit der er sein Bier im Wasser des Hafens versenken kann, um es zu kĂŒhlen, wurde der Verschlag als Sinnbild fĂŒr Skips Isolierung von der ĂŒbrigen Welt authentisch umgesetzt. Fuller wollte, beeinflusst vom Italienischen Neorealismus im Stil eines Roberto Rossellini, Vittorio De Sica oder Luchino Visconti, einen schmutzigen, ĂŒberhöht scharfen visuellen Stil fĂŒr den Film, eine wirklichkeitsnahe Abbildung der Lebensumgebung der Kleinkriminellen mit schĂ€bigen CafĂ©s, Tattoo-LĂ€den und anonymen U-Bahn-Stationencite-ref-fuller298-9-1[9], um, so Server, „den Eindruck einer wimmelnden, Dickensschen Unterwelt hervorzurufen“.cite-ref-server70-10-0[10]

Nachdem Richard Widmark fĂŒr die Hauptrolle schnell feststand,cite-ref-11[11] gestaltete sich die Suche nach dem weiblichen Gegenpart schwieriger. Shelley Winters, Ava Gardner und Betty Grable sprachen fĂŒr die Rolle der Candy vor, letztere allerdings unter der Voraussetzung, dass der Film eine Tanzszene fĂŒr sie beinhalten mĂŒsse. Auch Marilyn Monroe zeigte Interesse an der Rolle, wurde aber von Fuller als in ihrer Ausstrahlung zu sinnlich abgelehnt.cite-ref-fuller300-12-0[12] Eine Woche vor Drehbeginn fand Fuller mit Jean Peters seine Idealbesetzung. Fuller berichtet in seiner Autobiografie, dass die leichten O-Beine von Peters den Ausschlag fĂŒr seine Wahl gegeben hatten. Sie sĂ€he damit so aus, als hĂ€tte sie ihr Leben auf der Straße zugebracht, so Fuller.cite-ref-fuller303-13-0[13] Peters willigte ein, am Film mitzuwirken, verlangte jedoch, dass ihr genauso viel Probenzeit eingerĂ€umt werden sollte, wie Widmark und Thelma Ritter sie bereits absolviert hatten.cite-ref-fuller300-12-1[12] Fuller begann also augenblicklich eine tĂ€gliche intensive Probenarbeit mit Peters. Er kolportiert die Geschichte, dass die Schauspielerin jeden Tag von einem großen Auto zur Probe gebracht worden sei, dessen Fahrer wĂ€hrend der gesamten Probenzeit, versteckt hinter Sonnenbrille und Zeitung, im Auto geblieben und die Probe vom Parkplatz aus verfolgt habe. SpĂ€ter erfuhr Fuller, dass es sich dabei um Howard Hughes, den mĂ€chtigen Medienunternehmer, gehandelt hatte. Jean Peters war damals dessen Geliebte gewesen, doch die Beziehung wurde vor der Öffentlichkeit noch geheim gehalten.cite-ref-14[14]

Produktion

Polizei greift ein war eine A-Produktion mit mittlerem Budget.cite-ref-15[15] Die Dreharbeiten fanden innerhalb von 20 Tagen.cite-ref-porfirio41-16-0[16] im September und Oktober 1952cite-ref-arnold142-17-0[17] im Studio und an, so Fuller, „nicht-so-schönen SchauplĂ€tzen“cite-ref-server22z-18-0[18] in Downtown Los Angeles statt, die fĂŒr New York einstanden.cite-ref-porfirio41-16-1[16] Trotz der knappen Vorbereitungs- und Drehzeit gelang es Fuller, die oft langen, dialoglastigen Sequenzen des Films genau zu planen und umzusetzen.cite-ref-shadoian194-19-0[19] So dauert etwa die Szene mit Moe auf dem PrĂ€sidium fast zehn Minuten und beinhaltet insgesamt 22 verschiedene Kamerapositionen, wobei nur ein einziger Zwischenschnitt auf den FBI-Mann diese lange Szene unterbricht.cite-ref-garnham28-20-0[20]

Widmark, ein etablierter Star des Studiosystems, verhielt sich wĂ€hrend der Dreharbeiten anfangs, so Fuller, „zĂ€nkisch und engstirnig“.cite-ref-fuller303-13-1[13] Er forderte Fuller zu einem Machtkampf heraus, um seinen AutoritĂ€tsanspruch am Set klarzumachen: Fuller wies ihn an, bei seinem ersten Besuch auf dem PolizeiprĂ€sidium im Zickzack zwischen den Schreibtischen umherzulaufen und sich von einem der Polizisten eine SĂŒĂŸigkeit zu stibitzen. Widmark weigerte sich und sagte, er wĂŒrde geradewegs in das BĂŒro von Tiger gehen. Fuller ließ ihn gewĂ€hren, doch als Widmark spĂ€ter nachfragte, warum er den Zickzackkurs hĂ€tte machen sollen, erklĂ€rte man ihm, die Szene hĂ€tte verdeutlichen sollen, dass Skip bereits so oft auf dem PrĂ€sidium gewesen wĂ€re, dass er sich dort so gut auskenne wie zuhause. Daraufhin hatte Fuller, wie er in seiner Autobiografie anmerkt, „kaum mehr Probleme damit, dass Widmark die Anweisungen befolgt“.cite-ref-fuller304-21-0[21]

Widmark selbst erinnert sich daran, dass er mit Fuller, den er einen „zĂ€hen kleinen Kerl“cite-ref-22[22] nennt, keine Probleme mehr hatte, nachdem er diesen aufgefordert hatte, dessen Angewohnheit, als Zeichen des Drehbeginns fĂŒr eine Szene mit einer Pistole in die Luft zu feuern, doch bitte zu unterlassen. Widmark betont, dass sein Engagement fĂŒr Polizei greift ein lediglich eine VertragserfĂŒllung fĂŒr Fox war, bei dem kĂŒnstlerische Aspekte keine Rolle spielten.cite-ref-23[23]

Synchronisation

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1953 in den Ateliers der Ultra-Film Synchron GmbH in Berlin.cite-ref-24[24]

| Rolle | Darsteller | Synchronsprecher |
|---|---|---|
| Skip McCoy | Richard Widmark | Ernst Wilhelm Borchert |
| Candy | Jean Peters | Eleonore Noelle |
| Moe Williams | Thelma Ritter | Alice Treff |
| Tiger | Murvyn Vye | Wolf Martini |
| FBI-Agent Zara | Willis Bouchey | Eduard Wandrey |
| Det. Winocki | Milburn Stone | Hans Wiegner |
| Ringer-Louie | Victor Perry | Alfred Balthoff |
| FBI-Agent Enger | Jerry O'Sullivan | Wolfgang Preiss |
| Joe | Richard Kiley | Peter Petersz |
| Lt. Campion | John Gallaudet | Erich Dunskus |

Rezeption

Der Film kam am 17. Juni 1953 in die US-amerikanischen Kinos, bundesdeutscher Kinostart war der 11. Dezember 1953.cite-ref-arnold142-17-1[17] In der deutschen Synchronfassung wurde der politische Aspekt eliminiert, indem aus den Kommunisten DrogenhĂ€ndler gemacht wurden. Auch in der französischen Sprachfassung – der Film hieß in Frankreich Le Port de la Drogue („Der Drogenhafen“) – wurde auf die Politisierung verzichtet; Fullers Meinung nach aufgrund der starken Stellung der kommunistischen Presse in der öffentlichen Meinungsbildung in Frankreich zu dieser Zeit.cite-ref-fuller305-25-0[25]

Zeitgenössische Kritik

Die amerikanische Presse beurteilte den Film durchaus zwiespĂ€ltig. Auf der einen Seite wurde der „derbe Realismus“ gelobt, auf der anderen Seite die „Verkommenheit und Sensationsgier“ angeprangert. Die Los Angeles Daily News beschrieb ihn als „das Gegenteil von Familienunterhaltung“ mit „Figuren die kaum eine Stufe höher als in der Gosse stehen,“ so wie Fuller es ja auch beabsichtigt hatte. Ganz allgemein fielen die Wörter „BrutalitĂ€t, Sadismus“ und „unnötige Gewalt.“cite-ref-26[26]

Bosley Crowther von der New York Times schrieb am 18. Juni 1953, der Film sei eine „reißerisch aufgemachte Mitternachtsgeschichte“, in der Fuller eher eine „Kanonade von Sensationen“ abgebe als eine Geschichte zu erzĂ€hlen, die glaubhaft sei. Dieser „Unsinn“ kollabiere dann endgĂŒltig, als die Gangster „in patriotischem Eifer entflammen“ und durch ihre Mithilfe an der Zerschlagung der kommunistischen Organisation ihre Polizeiakten reinwaschen. Die Schauspielerleistungen von Widmark, Peters und Ritter seien jedoch „sehr gut“. Besonders hebt Crowther das Spiel der „genialen“, „bewundernswerten“ Thelma Ritter hervor.cite-ref-27[27]

Variety merkt zum Filmstart an, die einzige Aussage des Films wĂ€re, falls ĂŒberhaupt eine vorhanden sei, dass mit Taschendieben eigentlich alles in Ordnung sei, solange sie sich nicht mit kommunistischen Spionen anlegen. Das wĂ€re aber „ein höchst dĂŒnnes Thema“ fĂŒr einen Film, deshalb grenze er, „wahrscheinlich unbeabsichtigt“, an eine Komödie. Lediglich die Fotografie, die „gelegentlich eine packende AtmosphĂ€re“ schaffe und die Schauspielleistung von Ritter, „der einzigen halbwegs glaubhaften Figur in einer ansonsten nicht ĂŒberzeugenden Besetzung“, seien Pluspunkte im Film.cite-ref-28[28]

In Deutschland fiel die Kritik ebenfalls nicht besonders gut aus. So bezeichnete die katholische Filmkritik den Streifen als „trĂŒbe KriminalaffĂ€re aus New York“ und urteilte: „Routiniert gemachter Reißer mit mißfĂ€lliger HĂ€rte und fragwĂŒrdigen Polizeimethoden“.cite-ref-29[29]

Die politische Dimension des Films wurde kontrovers diskutiert. Lediglich aus liberalen Positionen wurde der Film als Anmerkung zum „Kalter-Krieg-Quatsch“, so Fuller, gutgeheißen. Konservative Meinungen hielten den Film fĂŒr pro-kommunistisch. So bemĂ€ngelte J. Edgar Hoover, der sich den Film vor Veröffentlichung beim FBI vorfĂŒhren ließ, bei einem Treffen mit Fuller in einem Restaurant in Hollywood die antiamerikanische Einstellung des Helden und den Umstand, dass das FBI so dargestellt wurde, als wĂŒrde es Kleinkriminellen Geld fĂŒr Informationen bezahlen.cite-ref-server34-30-0[30] Aus kommunistischen Positionen wurde im Gegenteil behauptet, der Film sei antikommunistische Propaganda. Entsprechend Ă€ußerte sich etwa der französische surrealistische Filmemacher und, so Fuller, „Stalinist“ Georges Sadoul.cite-ref-fuller304-21-1[21]

Auszeichnungen

Bei der Oscarverleihung 1954 war Thelma Ritter fĂŒr den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert, verlor jedoch gegen Donna Reed fĂŒr deren Rolle in Verdammt in alle Ewigkeit. Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Bronzenen Löwen ausgezeichnet; der Goldene Löwe wurde in diesem Jahr nicht vergeben. Fuller war bei der Preisverleihung nicht anwesend, sondern erfuhr davon am Set von Inferno. Erst Jahre spĂ€ter wurde Fuller davon in Kenntnis gesetzt, dass sich sein Film trotz des Widerstands des Juryvorsitzenden Luchino Visconti durchgesetzt hatte. Visconti hatte ihn aufgrund seiner eigenen kommunistischen Überzeugung abgelehnt.cite-ref-fuller305-25-1[25]

Nachwirkung

Fullers Werk hatte sowohl inhaltlich, etwa durch die schonungslose Thematisierung von Gewalt und gesellschaftlichem Außenseitertum, als auch stilistisch Einfluss auf die Autorenfilmer der Nouvelle Vague. Gifford weist darauf hin, Polizei greift ein sei „einer der Filme, die die [
] Nouvelle Vague hervorgebracht haben“.cite-ref-gifford133-31-0[31] Jean-Luc Godard etwa zitiert in Außer Atem (1960) mehrere Szenen von Polizei greift ein. Zum Beispiel erinnert die Eröffnungsszene mit dem hinter einer Zeitung hervorlugenden Belmondo an diejenige von Polizei greift ein, ebenso eine Szene, die sich in einem Waschraum abspielt, an eine Ă€hnliche in Fullers Film.cite-ref-32[32] Auch Robert Bressons Pickpocket (1959), obwohl in Figurendisposition und Stil völlig verschieden, teilt sich mit Polizei greift ein das Thema der, so Arnold und Göttler, „Erlösung eines [
] Pickpocket (Taschendiebs) durch die Liebe einer Frau“.cite-ref-arnold142-17-2[17]

Im Juni 1954 wurde der Stoff vom Hollywood Radio Theatre mit Stephen McNally, Thelma Ritter und Terry Moore als Hörspielfassung vertont. Diese Produktion erschien 2006 mit 39 weiteren Hörspielen des Hollywood Radio Theatres und Lux Radio Theatres unter dem Titel Espionage in einer 20 CDs umfassenden Box im Programm der kalifornischen Nostalgia Ventures.cite-ref-33[33]

1967 drehte der Regisseur Robert D. Webb in SĂŒdafrika unter dem Titel The Cape Town Affair ein Remake von Polizei greift ein. James Brolin spielte den Skip McCoy, Jacqueline Bisset die Candy. Die Handlung wurde in das SĂŒdafrika der 1960er-Jahre verlegt, doch das politische Thema wurde beibehalten.cite-ref-34[34]

Polizei greift ein wurde 2018 in das National Film Registry aufgenommen.

Filmwissenschaftliche Bewertung

Die Filmliteratur bewertet den Film ĂŒberwiegend positiv und stellt besonders die StĂ€rken von Fullers unkonventioneller Inszenierung heraus. Barry Gifford, Drehbuchautor fĂŒr David Lynch und Film-Noir-Spezialist, rezensiert Polizei greift ein in seinem Buch Out of the Past begeistert. Er sei „Fullers bester Film“ und „Jean Peters beste Rolle“. Polizei greift ein, „gedreht in schweißtriefendem, körnigen Schwarz-Weiß“, sei „wirklich sehr europĂ€isch mit seinen langen Einstellungen, seiner Musik, seiner blassen AnnĂ€herung an das Leben.“ In Moes Sterbeszene ĂŒberwĂ€ltige „die tödliche SentimentalitĂ€t [
] sogar die Geister von Édith Piaf und Maurice Chevalier“.cite-ref-gifford133-31-1[31] FĂŒr Jack Shadoian ist der Film „ein AushĂ€ngeschild des Kriminalfilms der 1950er-Jahre“cite-ref-shadoian186-35-0[35] Andrew Dickos lobt den Film als gelungene Synthese von dokumentarischem Charakter und der Noir-Themenwelt. „Die Verbindung zwischen der reporterartigen Abbildung der RealitĂ€t und der Gewalt, die ihr dramatischen Ausdruck verleiht,“ bringe Fuller „direkt ins Herz des Film noir.“cite-ref-dickos128-36-0[36]

Lee Server hĂ€lt Polizei greift ein fĂŒr „Fullers am perfektesten realisierten Film und eines der unbestrittenen Meisterwerke des Kriminalfilms und des Film noir“.cite-ref-server70-10-1[10] Er sei „unendlich erfinderisch und energiegeladen, straff und effizient aufgebaut [
], und doch rappelvoll mit unverkennbaren Schrulligkeiten, einer frischen Bilderwelt und unerwarteter Poesie“.cite-ref-server72-37-0[37]

Phil Hardy hingegen kritisiert die in seinen Augen zu schwache Geschichte: Skip sei als Gangster fĂŒr den Zuschauer uninteressant. Seine Handlungsmotivation sei lediglich Gier, ein fĂŒr Hardy erzĂ€hlerisch zu schwacher Beweggrund; zudem erlebe die Hauptfigur keine tiefgreifenden Änderungen in Charakter und LebensumstĂ€nden, sondern kehre lediglich in sein frĂŒheres Leben zurĂŒck. Das einzig Interessante ist fĂŒr Hardy der politische Aspekt, die Frage, ob sich Skip fĂŒr oder gegen Amerika entscheidet. Er resĂŒmiert: „Die Haupttugenden von Polizei greift ein liegen in seiner Politisierung.“cite-ref-hardy29-38-0[38]

Colin McArthur wirft Fuller einen „romantischen Nationalismus“cite-ref-referencea-39-0[39] vor. Es gelinge ihm nicht aufzuzeigen, dass die skandalösen LebensumstĂ€nde der Kleinkriminellen ursĂ€chlich mit dem politischen System der USA zusammenhingen. McArthur schließt jedoch versöhnlich: „Die Verbindung zwischen der rauen Unterwelt [
] und der politischen Struktur des Amerikas, dem die Charaktere ihre vernunftlose LoyalitĂ€t beweisen, ist keine, die Fuller wahrnimmt. Dass er daran scheitert, diese Verbindung aufzuzeigen, ist jedoch kein Grund, die Kraft und Persönlichkeit seines Werks zu unterschĂ€tzen.“cite-ref-mcarthur30-40-0[40]

FĂŒr Peter Lev ist Polizei greift ein ein „stilistisch aufregender Film, der sich – irgendwie bizarr – mit einheimischem Kommunismus beschĂ€ftigt.“ Die Charaktere seien zwar „eher cartoonhaft als realistisch“, brĂ€chten aber „die gefĂ€hrliche SexualitĂ€t urbaner Außenseiter in den Film noir ein“cite-ref-lev53-41-0[41]

Das Lexikon des internationalen Films merkt an, dass in der deutsch synchronisierten Version „die politische Stoßrichtung eliminiert“ wurde. Der Film sei ein „inzwischen zum Klassiker avancierter Krimi“, der eine „harte, zynische und relativ brutale Variante der ‚Schwarzen Serie‘ Hollywoods“ sei.cite-ref-42[42] Arne Laser bezeichnet in Das große Film-Lexikon den Film ebenfalls als „zynisch, brutal und pessimistisch“, er sei aber „trotz des politischen Hintergrunds der Handlung“ keine Propaganda. Die „unvergleichliche“ Thelma Ritter sei „der eigentliche Star der Show“.cite-ref-43[43] Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz bewerten ihn in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“ mit 2œ Sternen, also immerhin als ĂŒberdurchschnittlich, und meinen: „Fuller drehte den temporeichen, knallharten Film mit antikommunistischem Touch und vehementen Liebesszenen.“cite-ref-44[44]

DVD-Veröffentlichung

2004 wurde der Film fĂŒr den deutschsprachigen Raum bei KOCH Media auf DVD veröffentlicht, jedoch ohne die Extras der bei der Criterion Collection im selben Jahr erschienenen Veröffentlichung fĂŒr den US-amerikanischen Markt, die Interviews mit Fuller und weiteres Hintergrundmaterial enthĂ€lt.

Thomas Klingenmaier von der Stuttgarter Zeitung nahm am 24. Dezember 2004 die DVD-Veröffentlichung und Widmarks 90. Geburtstag zum Anlass, dessen Leistung in Polizei greift ein zu wĂŒrdigen. Er lobte die inszenatorische Arbeit Fullers, der so filmte, „als sei jede Einstellung eine neue reißerische Schlagzeile“ und stellte Widmarks Darstellung von Skip McCoy als „schizophrene Figur“ heraus, was die „SpezialitĂ€t von Widmark“ sei. Die Figur trete „mit einer provokanten Verachtung der Gesellschaft“ auf, was von Fuller gutgeheißen werde.cite-ref-45[45]

Geoff Pevere vom The Toronto Star schrieb bei seiner Vorstellung der Criterion-DVD am 8. April 2004, Polizei greift ein sei gleichzeitig „der gefeierteste, aber auch kontroverseste Film“ Fullers. Die Eröffnungssequenz sei die „sexualisierteste Taschdiebstahl-Sequenz in der Filmgeschichte“, der Film habe „den vorwĂ€rtstreibenden Rhythmus einer Geschichte, die wie zum andauernden Klappern einer Schreibmaschine“ erzĂ€hlt werde.cite-ref-46[46]

Filmanalyse

Inszenierung

Visueller Stil

Fullers Film kann mit Werken wie Robert Aldrichs Rattennest und Joseph H. Lewis Geheimring 99 (beide 1955) zur SpĂ€tphase des Film noir gerechnet werden. In diesen Filmen werden, so Shadoian, „die stilisierten, dekorativen Aspekte des Film noir [
] durch schonungslose, ungehobelte [
] Energie und Druck“ ersetzt.cite-ref-shadoian186-35-1[35] Server bestĂ€tigt, Fuller nutze „verschiedene szenische Elemente des Noir-Stils“, aber er halte „das Tempo zu hoch und die ErzĂ€hlung zu dicht fĂŒr die malerische Üppigkeit und die dĂŒstere Langatmigkeit des klassischen Noir-Ausdrucks“cite-ref-server72-37-1[37] Typische Noir-Elemente wie expressive SchattenwĂŒrfe, Low-key-beleuchtete Szenen im Kontrast zu taghellen, fast dokumentarischen Sequenzen oder Vereinzelungen von Charakteren durch Lichtkegel von Taschenlampen oder Ă€hnlichem finden zwar statt, mĂŒssen sich aber den Themen und Emotionen der Handlung unterordnen. Der visuelle Stil ist, dem Genre des reißerischen Kriminalfilms angepasst, „nervös und ĂŒbertreibend“cite-ref-shadoian186-35-2[35], gepaart mit einem „comicartigen Expressionismus“ der Dialoge, der wenig Wert auf sprachliche Feinheiten als vielmehr auf die authentische Wiedergabe der Sprachgewohnheiten der Unterschicht legt.cite-ref-shadoian193-47-0[47] Gewalt und BrutalitĂ€t werden nicht mehr, wie in frĂŒheren Noirs, stilisiert als Verzierung eingesetzt, sondern, so Shadoian, „mit PrĂ€zision und AusdrĂŒcklichkeit“ prĂ€sentiert.cite-ref-shadoian186-35-3[35]

Fuller nutzt die Möglichkeiten einer beengenden Bildkadrierung, um GefĂŒhle und Motivationen zu visualisieren. Eine Kuss-Szene zwischen Skip und Candy wird etwa mit einem unterschwelligen GefĂŒhl von Gewalt konnotiert, indem in der Cadrage ein schwerer Eisenhaken und ein dickes Seil im Bildvordergrund die beiden trennen. In der Szene, als Skip Candy im Krankenhaus besucht, ist er in einer „unmöglichen“ Einstellung (ihr Bett steht an der Wand) von hinten durch die Bettsprossen des Bettkopfteils gefilmt zu sehen. Die Kamera schwenkt zwischen den Sprossen hin und her; Skips Gesicht ist von ihnen so lange verdeckt, bis er realisiert, dass Candy sich aus Liebe zu ihm schlagen ließ. Erst dann ist sein Gesicht frei zwischen den Sprossen zu sehen.cite-ref-shadoian193-47-1[47]

Die Möglichkeiten, Situationen nicht durch den gezeigten Bildausschnitt, sondern auch durch die Drehorte selbst eine klaustrophobische AtmosphĂ€re zu geben, nutzt Fuller in den Szenen auf dem PolizeiprĂ€sidium: Der Schauplatz, von vornherein rĂ€umlich stark begrenzt, wird durch den Einsatz platzgreifender Requisiten und durch die Vermeidung des Einsatzes von Weitwinkelobjektiven filmisch noch enger gemacht. Der erreichte Effekt ist der, dass die Protagonisten, etwa in Verhörsituationen, so Garnham, „wie von allen Seiten bestĂŒrmt“ und in die Enge getrieben wirkencite-ref-48[48].

KamerafĂŒhrung

Kennzeichnend fĂŒr Fullers KamerafĂŒhrung sind lange Einstellungen mit bewegter Kamera und der Einsatz von Nahaufnahmen.cite-ref-shadoian193-47-2[47] Fuller erklĂ€rt seinen inszenatorischen Stil so: „Ich wollte diese Welt zeigen, wo die Leute ein Schattendasein fĂŒhren, sehr isoliert. Nicht viele Personen, sondern viele Nahaufnahmen, auf die Leute fokussiert. Ich wollte mich mit Jean Peters bewegen können. Ich sagte dem Kameramann: ‚Bleib ganz locker an ihr dran!‘ Bewegung soll eine Gegenwirkung sein, egal ob in Action-Szenen, Dialogen oder sonst etwas. Sie wirkt dem entgegen, wohin dein Blick sich wendet.“cite-ref-porfirio42-49-0[49] Die Kamera verteilt durch ihre Bewegung mit den Protagonisten und den eindrĂŒcklichen, nahen Blick in ihre Gesichter die Sympathien eindeutig auf Seiten der drei Hauptdarsteller. Shadoian stellt fest, es sei „unmöglich nicht zu erkennen, dass Fullers Kamera, [
] ihre Bewegung und ihre Platzierung, uns eindrĂŒcklich dazu fĂŒhrt, die Dinge in bestimmter Weise zu sehen.“cite-ref-shadoian181-50-0[50] In der Szene von Moes Ermordung fĂ€hrt die Kamera zum Beispiel wĂ€hrend ihres Abschiedmonologes langsam frontal auf Ritters Gesicht zu, um dann im Moment des Mordes, so Norbert Grob, „diskret“ zur Seite zu schwenkencite-ref-grob13-51-0[51]; die aufgebaute Spannung löst sich in Mitleid auf. Shadoian konstatiert: „Niemand außer Ingmar Bergman hat die Nahaufnahme so furchtlos benutzt wie Fuller.“cite-ref-shadoian194-19-1[19]

Neben diesen bewegten, von Nahaufnahmen gekennzeichneten Einstellungen hat jedoch nach Shaodoians Meinung eine statisch gefilmte Szene aus der Totalen die grĂ¶ĂŸte EindrĂŒcklichkeit des Films: Als Skip Moes Sarg von dem Schiff holt, das zum Armenfriedhof fĂ€hrt, bleibt der Zuschauer wĂ€hrend der ganzen langen Sequenz auf respektvoller Distanz. Er muss warten, bis die SĂ€rge umgestapelt und der richtige verladen ist und kann in dieser Zeit die ganze „schwarze, traurige Stimmung“, so Shadoian, aufnehmen, die in dieser Szene hervorgerufen wird. Shadoian ist der Meinung, dass Nahaufnahmen die „Unheimlichkeit der Szene“ zerstört hĂ€tten, so bleibe die WĂŒrde „trotz des grimmigen Humors“ erhalten.cite-ref-shadoian194-19-2[19] Shadoian urteilt, es gebe „keine BegrĂ€bnisszene in der Filmgeschichte, die brillanter, origineller und gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig intensiver ist“cite-ref-52[52] Server konstatiert, die Szene sei „eine Zurechtweisung an alle, die meinen, Fuller habe kein GefĂŒhl fĂŒr Feinheiten“.cite-ref-server72-37-2[37]

Als Kontrast zu den langen Einstellungen ist die dialoglose Eröffnungssequenz zu nennen: Der Diebstahl in der U-Bahn wird von Fuller in schneller Frequenz von Nahaufnahmen und dem steten Wechsel von Unter- und Obersichten, so Shadoian, „so cinematisch frei wie in nur wenigen kommerziellen Produktionen dieser Zeit“ inszeniert.cite-ref-shadoian194-19-3[19] Server mutmaßt, dass Fox wĂ€hrend des Drehprozesses durchaus Einfluss auf Fullers KamerafĂŒhrung genommen haben könnte, um den Stil des Hauses Fox im Film erkennbar zu behalten und Fuller „von der kompletten AusfĂŒhrung seines eigenen ĂŒberschwenglichen und experimentellen Stils abzuhalten“. Deshalb habe sich Fuller unter UmstĂ€nden mit einigen „plötzlichen cinematischen Schlenkern“ begnĂŒgen mĂŒssen, etwa als die Kamera in der Szene, in der Joey Candy verprĂŒgelt, zu einem aufgeregten, hektisch agierenden Zuschauer der Tat wird.cite-ref-server72-37-3[37]

Musik

Neben der treibenden, blĂ€serlastigen Filmmusik von Leigh Harline ist im Film in der Szene, in der Moe ermordet wird, das Lied „Mam’zelle“ zu hören, das Moe auf ihrem Grammophon abspielt, als sie Besuch von ihrem Mörder bekommt. Fuller hielt das im Stil eines melancholischen französischen Chansons gehaltene StĂŒck fĂŒr einen populĂ€ren Schlager aus Frankreich und fragte bei Alfred Newman, dem Hauskomponisten bei Fox, an, ob die Rechte erwerbbar wĂ€ren. Newman teilte ihm mit, dass Fox bereits die Rechte besaß: Komponist war der Regisseur Edmund Goulding, der es in seinem Film Auf Messers Schneide 1946 bereits eingesetzt hatte.cite-ref-53[53]

Motive und Themen

KleinkriminalitÀt

Fullers Personal und Themen in diesem Film entstammen der Welt der kleinen Ganoven, die sich mit Gaunereien und zwielichtigen GeschĂ€ften ĂŒber Wasser halten mĂŒssen. Deren Lebensweise wird aber von Fuller in keiner Weise vorverurteilt, sondern eher im Stil eines Reporters berichtend und mit VerstĂ€ndnis fĂŒr deren LebensumstĂ€nde dargestellt. Phil Hardy konstatiert: „Fuller, der weiß, dass Amerikas Geheimnisse in der Gosse liegen, dass die OberflĂ€che die RealitĂ€t ist, wenn man sie korrekt betrachtet, zerreist diese OberflĂ€che und macht daraus sein eigenes Ding, nicht indem er die Tatsachen einer juristischen AbwĂ€gung unterzieht, sondern indem er sie durch die Auffassungsgabe eines Reporters auf ihre vordringlichen Merkmale hin untersucht – wie widersprĂŒchlich diese Merkmale auch sein mögen.“cite-ref-54[54] Die Sympathie fĂŒr die gesellschaftlichen Randfiguren beinhaltet Fullers Kritik am American Way of Life: Das Leben in der KriminalitĂ€t ist fĂŒr sie die einzige Alternative, zu ĂŒberleben. Fuller erlĂ€utert: „In dieser Geschichte zahlt sich das Verbrechen aus. Es ist ein GeschĂ€ft. Sie sind keine Kriminellen aus freien StĂŒcken [
], sie tun es, weil es der einzige Weg ist, den Lebensunterhalt zu verdienen.“cite-ref-porfirio39-4-2[4]

Die drei Hauptdarsteller, außerhalb der bĂŒrgerlichen Gesellschaft stehend, sind die einzigen im Film, die auf humanem Wege agieren. Die Polizisten und Staatsbeamten werden ebenso wie ihre kommunistischen Gegenspieler entweder als farblos oder widerwĂ€rtig dargestellt oder der Verspottung des Zuschauers preisgegeben.cite-ref-shadoian187-55-0[55] Shadoian empfindet den Film als einen Test der HumanitĂ€t des Zuschauers, indem dieser gezwungen wird, durch Fullers Parteinahme ebenfalls mit den antibĂŒrgerlichen Charakteren Sympathie zu empfinden.cite-ref-shadoian190-56-0[56] letztlich ist es nicht die Polizei, die die Gesellschaft vor dem Kommunismus schĂŒtzt, sondern der Kriminelle; er ist bei Fuller „die einzige Hoffnung, dass sich etwas zum Guten Ă€ndert.“cite-ref-shadoian187-55-1[55]

Außenseitertum

Die Figur des Skip McCoy ist, den Konventionen des Film noir folgend, ein von der Gesellschaft entfremdeter, in seinem persönlichen Lebensstil entwurzelter Außenseiter. Seine Absonderung von der Gesellschaft wird filmisch deutlich umgesetzt: Garnham erlĂ€utert, die perfekte Entsprechung seines Außenseitertums sei „die hoch positionierte Einstellung [
], die den Schuppen zeigt, in dem Skip lebt, eine kleine hölzerne Schachtel umgeben von Wasser, aus dem Ă€ußersten Rand der Zivilisation herausragend, zur Stadt nur verbunden durch eine schmale Planke.“cite-ref-garnham28-20-1[20]

Die Wahrung einer menschenwĂŒrdigen Existenz außerhalb der bĂŒrgerlichen Konventionen wird zum zentralen Thema des Films. Dickos erlĂ€utert: „Die Suche von Skip McCoy wird letztlich zur Anstrengung, das eigene Ich in einer Welt voller Wirrwarr, Verstörtheit und LĂ€rm – das, was Sartre das ‚Zuviel‘ der Existenz nannte – auszumachen und in diesem Prozess ein Maß an persönlicher IdentitĂ€t zu beanspruchen.“cite-ref-57[57] Fuller bestĂ€tigt: „Dieser Charakter, McCoy, er lebt alleine [
] in seinem eigenen Dschungel, in einem Kokon. [
] Darum ist Sartre auch so toll [
]: Nenn es noir, aber ganz egal, was hier und dort passiert, es bleibt immer eine persönliche Sicht der Dinge. Auch wenn wir ‚Wir‘ sagen, bleibt es doch immer ‚Ich‘. Die Gesellschaft zwingt uns zum Wir-Denken, aber ein Typ wie Skip, der setzt sich darĂŒber hinweg.“cite-ref-porfirio39-4-3[4]

Eddie Muller zieht in diesem BemĂŒhen, fĂŒr die Aufrechterhaltung der eigenen IdentitĂ€t jeden Tag neu kĂ€mpfen zu mĂŒssen, Parallelen zwischen Fuller und seiner Hauptfigur: „Sam Fuller war das Hollywood-GegenstĂŒck zu Skip McCoy: sich durch die am Rande liegende Welt der Macher von B-Movies schlagend, [
] nur dafĂŒr lebend, am nĂ€chsten Tag wieder seiner Arbeit nachgehen zu können. So wie Skip stellte er sich den Grausamkeiten der Welt mit einem zynischen Lachen [
]. Fuller nahm den Nihilismus seiner Vision nie gelassen hin; er bot ihm die Stirn, bestĂ€ndig und laut, mit fliegenden FĂ€usten“.cite-ref-58[58]

Gewalt

Fuller inszeniert in Polizei greift ein exzessiv Gewaltakte und BrutalitĂ€ten: Skip schlĂ€gt Candy K.O. und gießt ihr Bier ins Gesicht, um sie wieder aufzuwecken. Joey verprĂŒgelt Candy und schießt ihr in den RĂŒcken; Skip schlĂ€gt Joey in der U-Bahn so heftig, dass dessen Kinn hart auf jeder Treppenstufe aufschlĂ€gt. Die Darstellung von Gewalt ist fĂŒr Shadoian besonders bezĂŒglich der Ermordung Moes „schockierend“, denn „lustige, sĂŒĂŸe alte Damen werden im Film ĂŒblicherweise nicht erschossen.“.cite-ref-shadoian188-59-0[59] Shadaioan nimmt Bezug auf Fullers Hintergrund als Kriminalreporter und Kriegsteilnehmer und konstatiert: „Fuller nutzt nicht nur Gewalt, er glaubt an sie.“ Sie sei fĂŒr ihn eine „primitive, aber effektive Art der Kommunikation“cite-ref-shadoian191-60-0[60] Gewalt diene Fuller als Katalysator dafĂŒr, was von menschlichen GefĂŒhlen und FreiheitswĂŒnschen in Extremsituationen ĂŒbrig bleibtcite-ref-shadoian188-59-1[59] und habe die befreiende Wirkung einer Katharsis. Sie ist fĂŒr Skip Mittel „in einem Prozess der VerĂ€nderung zu einem menschlicheren Wesen.“ In diesem Film können, so Shadoian, „humane PrioritĂ€ten [
] nur durch Gewalt wieder hergestellt werden“.cite-ref-shadoian191-60-1[60]

Auch die Liebesszenen zwischen Skip und Candy und die gegenseitige erotische Anziehungskraft sind in diesem Zusammenhang immer mit Untertönen von Gewalt inszeniert. Die Grenzen zwischen den ausgetauschten BrutalitĂ€ten und ZĂ€rtlichkeiten sind fließend.cite-ref-shadoian192-61-0[61] In der stĂ€ndigen Interaktion von, so Grob, „Gewalt und GefĂŒhl, DemĂŒtigung und Interesse, Krieg und Liebe“cite-ref-grob13-51-1[51] bestĂ€tigt sich Hardys Aussage: „Falls Fullers Filme zu irgendeinem Genre gehören, dann zu dem des Kriegsfilms, auf den sie alle heruntergebrochen werden können, zumindest metaphorisch.“cite-ref-hardy29-38-1[38]

Liebe und LoyalitÀt

Einen hohen Stellenwert nimmt in der Lebenswelt der Protagonisten die gegenseitige LoyalitĂ€t ein. Zwar sind die Charaktere jederzeit bereit, sich fĂŒr Geld gegenseitig zu verraten, doch im Wissen, dass der Verrat nur geschieht, um den Lebensunterhalt zu sichern, stehen sie trotzdem fĂŒreinander ein. Skip ist nicht zornig, dass Moe ihn verraten hat – er sagt: „Moe ist in Ordnung. Sie muss essen“ –, sondern wirft ihr lediglich vor, dass sie ihn fĂŒr 50 Dollar zu billig verraten habe.cite-ref-grob95-62-0[62] Die Personen kĂ€mpfen in, so Shadoian, „gegenseitigem Nehmen und Geben“cite-ref-shadoian182-63-0[63] gemĂ€ĂŸ ihren Unterwelttraditionen fĂŒr das, so Dickos, „Recht auf gewöhnliches GlĂŒck.“ Sie wollen „das erschaffen, was die Gesellschaft ihnen verweigert.“cite-ref-64[64]

Moe nimmt dabei eine Mutterrolle gegenĂŒber Skip und Candy ein. Sie, die KrawattenverkĂ€uferin, hĂ€lt die Welt der beiden in verbindender Funktion zusammen. Shadoian nimmt hierbei Bezug auf die Doppelbedeutung von tie, das sowohl Krawatte, als auch Band heißen kann. Als Moe stirbt, sind Skip und Candy, so Shadoian, „mutterlose Waisen“. Erst ĂŒber diesen Umstand finden die beiden in ihrer Liebe zueinander.cite-ref-shadoian188-59-2[59]

Der erste Kuss, den Skip und Candy austauschen, ist, so Fuller, ein „geschĂ€ftlicher Kuss“.cite-ref-fuller291-3-2[3] Noch sind sie emotional nicht aneinander gebunden, sondern nutzen ihre körperliche Anziehungskraft, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Sie sind beide in der Position des Außenseiters, dessen Sicherheit nur gewahrt werden kann, wenn man möglichst wenig von sich selbst preisgibt.cite-ref-shadoian189-65-0[65] Erst als Skip begreift, dass Candy sich aus Liebe zu ihm schlagen ließ, Ă€ndert sich seine reservierte Haltung. Er muss sich nun mit der emotionalen Herausforderung auseinandersetzen, geliebt zu werden. Dies zwingt ihn, eine moralische – und auch politische – Entscheidung zu treffen; doch nicht aus LoyalitĂ€t zum Staat, sondern aus Liebe zu Candy hilft er letztlich dem FBI, den Mikrofilm zu erhalten.cite-ref-fuller295-5-1[5]cite-ref-shadoian186-35-4[35]cite-ref-muller37-66-0[66] Am Schluss siegt die Liebe: Die Charaktere befreien sich, sie erhalten neue Lebensmöglichkeiten durch das Zulassen von Leidenschaften und GefĂŒhlen, ohne jedoch ihre gesellschaftliche Außenseiterposition aufgeben zu mĂŒssen.cite-ref-shadoian189-65-1[65]

Politik

Die kontroverse Diskussion ĂŒber eine mögliche politische Aussage des Films wirft die Frage auf, inwieweit Fuller wirklich politisch Stellung beziehen wollte, oder ob die Spionagegeschichte und der Mikrofilm lediglich als MacGuffin, als Spannungskern des Films, der die Handlung vorantreibt, dient. Fuller bestĂ€tigt, dass er das politische Klima der Zeit abbilden wollte: „Ich reflektiere Amerika zur Zeit von McCarthy [
] Davon handelt die ganze Geschichte, von Rassismus und Bigotterie.“cite-ref-67[67] Dass sein Hauptaugenmerk aber auf den LebensumstĂ€nden des Taschendiebs und nicht auf der weltpolitischen Lage liegt, macht er ebenfalls deutlich: “Ideologien sind mir egal, das ist alles gĂ€hnend langweilig [
] Der Film handelt von Spionage, einem riskanten GeschĂ€ft, genau wie Taschendiebstahl. [
] Ich wollte den Kontrast zwischen der politischen Sicht, der ‚Roten Gefahr‘ und diesem ganzen Zeug, und der Wirklichkeit des Gauners zeigen: und nur die zĂ€hlt. Ich bin auf dem Boden der Tatsachen. Politische Motive sind SternenfĂ€ngerei.”cite-ref-68[68]

Dennoch ist bei allen drei Hauptcharakteren eine antikommunistische Grundeinstellung festzustellen, die sich nicht in den Dialogen begrĂŒndet, sondern eher instinktiv ist. Diese Einstellung spiegelt die Antipathie vieler US-Amerikaner gegen den Kommunismus in dieser Zeit wider. Fuller sagt: „Sie drĂŒckten aus, was viele Leute fĂŒhlten.“cite-ref-69[69] Peter Lev stellt Polizei greift ein in eine Reihe mit anderen Film noirs wie etwa Robert Stevensons Ich heiratete einen Kommunisten (1950) und Ich war FBI-Mann M.C. (1951) von Gordon Douglas. Diese Filme wĂŒrden eine Abkehr von den eher liberalen Grundpositionen des Film noir der 1940er-Jahre hin zu einem oft diffusen Antikommunismus bedeuten. Lev sagt, das Grundthema von Polizei greift ein wĂ€re die These, „dass sogar amerikanische Kriminelle Kommunisten hassen“. Diese „ziemlich dĂ€mliche Grundannahme“ ermögliche es Fuller, einen flotten Kriminalfilm drehen zu können, ohne den Kommunismus definieren oder beschreiben zu mĂŒssen. „Der Eindruck eines Amerika unter der Bedrohung durch interne Unterwanderung“ werde durch die Mittel des Film noir umgesetzt.cite-ref-lev53-41-1[41]

Colin McArthur nennt bei den zeitpolitischen EinflĂŒssen auf den Film neben McCarthy auch den Namen des demokratischen Senators Estes Kefauver, der die Existenz eines landesweit operierenden Verbrecherkartells, das von der Mafia kontrolliert wurde, aufdeckte. Dementsprechend seien Fullers Kommunisten „bildlich ununterscheidbar“ von den Bösewichten der Gangsterfilme der 1930er und 1940er Jahre; Zigarre rauchend, in offensichtlichem Wohlstand lebend und nach der Art eines Verbrechersyndikats organisiert.cite-ref-mcarthur30-40-1[40]

Server Ă€ußert sich zur politischen Ausrichtung des Regisseurs selbst folgendermaßen: „NatĂŒrlich war Fuller, der ein radikaler Individualist war, auch ein Antikommunist, aber seine Sicht der Demokratie war gleichzeitig antipropagandistisch, indem er sich auf die Warzen und Schwielen eines Amerika konzentrierte, das bevölkert von gesellschaftlichen Niemanden ist.“cite-ref-server72-37-4[37] Auch Peter Wollen fĂŒhrt die politische Dimension in Fullers Werk auf dessen eigene Weltsicht, geprĂ€gt von Krieg und Journalismus, zurĂŒck und bezieht sich dabei auf Ereignisse des Koreakriegs: „Das zugrundeliegende Thema ist das Wesen von Treue und Verrat. Speziell natĂŒrlich Treue und Verrat gegenĂŒber den Vereinigten Staaten. Fuller kommt immer wieder auf den Fall der GIs zurĂŒck, die in Korea zu den Kommunisten ĂŒbergelaufen sind.“cite-ref-70[70] Dass der Film jedoch auch ohne den politischen Unterton als Geschichte funktioniert – McArthur bestĂ€tigt, dass sich die explizit politischen Elemente nur im Dialog abspielencite-ref-referencea-39-1[39] –, zeigen die deutsche und die französische Synchronfassung, die trotz der Änderungen den erzĂ€hlerischen Zusammenhalt nicht auseinanderbrechen lassen.

Philip French schrieb im The Guardian 2015, dass Fuller seine eigene patriotische Einstellung gleich in der ersten Szene unĂŒbersichtlich in die Mitte des Bildes setzte, und dass das von Kritikern jahrelang ĂŒbersehen wurde: von Anfang an wird immer wieder gezielt ĂŒber die Schulter eines Soldaten gefilmt, der das Schulterabzeichen der Big Red One trĂ€gt, der 1. US-Infanteriedivision, der Fuller ja selbst im Zweiten Weltkrieg angehörte. Wenn schließlich Skip McCoy (Richard Widmark) sich langsam aus dem Hintergrund hervorarbeitet, lĂ€sst Fuller durch Kameraschwenk- und zufahrt ihn hinter dem Soldaten zusammen mit dem Schulterabzeichen in die Mitte des Bildes stellen.cite-ref-71[71]

Einzelnachweise und Anmerkungen

cite-note-fsk-11. Freigabebescheinigung fĂŒr „Polizei greift ein“ (Schwarzweißfilm), NeuprĂŒfung des Kinofilms „Lange Finger - harte FĂ€uste“ . Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juni 2004 (PDF; PrĂŒf­nummer: 62 52D DVD).
cite-note-22. ↑ Die Handlungsbeschreibung bezieht sich auf die englischsprachige Originalversion des Films
cite-note-fuller291-33. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 291
cite-note-porfirio39-44. ↑ zitiert in: Porfirio/Silver/Ursini S. 39
cite-note-fuller295-55. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 295
cite-note-server33-66. ↑ Server S. 33
cite-note-77. ↑ Hardy S. 26
cite-note-88. ↑ Joseph K. Heumann und Robin L. Murray stellen diese Vermutung auf den Seiten von Jump Cut auf
cite-note-fuller298-99. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 298
cite-note-server70-1010. ↑ Server S. 70
cite-note-1111. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 299
cite-note-fuller300-1212. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 300
cite-note-fuller303-1313. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 303
cite-note-1414. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 301
cite-note-1515. ↑ Server S. 71
cite-note-porfirio41-1616. ↑ Porfirio/Silver/Ursini S. 41
cite-note-arnold142-1717. ↑ Frank Arnold/Fritz Göttler: 22 Filme von Samuel Fuller in: Von Berg/Grob S. 142
cite-note-server22z-1818. ↑ zitiert in: Server S. 33
cite-note-shadoian194-1919. ↑ Shadoian S. 194
cite-note-garnham28-2020. ↑ Garnham S. 28
cite-note-fuller304-2121. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 304
cite-note-2222. ↑ zitiert in: Server S. 111
cite-note-2323. ↑ Server S. 111
cite-note-2424. ↑ Polizei greift ein in der Synchrondatenbank von Arne Kaul (Memento des Originals vom 2. Februar 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.synchrondatenbank.de; abgerufen am 22. April 2009
cite-note-fuller305-2525. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 305
cite-note-2626. ↑ „Film Criticism, the Cold War, and the Blacklist: Reading the Hollywood Reds“, von Jeff Smith, University of California Press, 2014, Seite 154. Abgerufen am 24. November 2018.
cite-note-2727. ↑ „'Pickup on South Street' Mixes Underworld Goons With Communist Spies“, von Bosley Crowther, The New York Times, 18. Juni 1953, abgerufen am 24. November 2018.
cite-note-2828. ↑ „Pickup on South Street“, Variety, 31. Dezember 1952, abgerufen am 24. November 2018.
cite-note-2929. ↑ 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, DĂŒsseldorf 1963, S. 339
cite-note-server34-3030. ↑ Server S. 34
cite-note-gifford133-3131. ↑ Gifford S. 133f
cite-note-3232. ↑ Garnham S. 158
cite-note-3333. ↑ Espionage – 40 classic radio shows. Nostalgia Ventures, Encinitas, CA 2006, ISBN 1-932806-44-X
cite-note-3434. ↑ Auf den Seiten von Jump Cut werden die beiden Filme verglichen und die Verbindungen des sĂŒdafrikanischen Antikommunismus zur Apartheid-Politik an diesem Beispiel verdeutlicht
cite-note-shadoian186-3535. ↑ Shadoian S. 186
cite-note-dickos128-3636. ↑ Dickos S. 128
cite-note-server72-3737. ↑ Server S. 72
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cite-note-4545. ↑ Thomas Klingenmaier: Der Dieb und sein Ekel – Wiedergesehen: die Filmhelden von Richard Widmark in der Stuttgarter Zeitung vom 24. Dezember 2004, aufgerufen ĂŒber LexisNexis
cite-note-4646. ↑ Geoff Pevere: Better dead than red im Toronto Star vom 8. April 2004, aufgerufen ĂŒber LexisNexis
cite-note-shadoian193-4747. ↑ Shadoian S. 193
cite-note-4848. ↑ Garnham S. 29
cite-note-porfirio42-4949. ↑ zitiert in: Porfirio/Silver/Ursini S. 42
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cite-note-5353. ↑ Fuller/Lang Fuller/Rudes S. 297
cite-note-5454. ↑ zitiert in: Dickos S. 128
cite-note-shadoian187-5555. ↑ Shadoian S. 187
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cite-note-shadoian188-5959. ↑ Shadoian S. 188
cite-note-shadoian191-6060. ↑ Shadoian S. 191
cite-note-shadoian192-6161. ↑ Shadoian S. 192
cite-note-grob95-6262. ↑ Ich mag es nicht, wenn es immer einen leichten Ausweg gibt – Samuel Fuller erzĂ€hlt in: Von Berg/Grob S. 95
cite-note-shadoian182-6363. ↑ Shadoian S. 182
cite-note-6464. ↑ Dickos S. 126
cite-note-shadoian189-6565. ↑ Shadoian S. 189
cite-note-muller37-6666. ↑ Muller S. 37
cite-note-6767. ↑ zitiert in: Ich mag es nicht, wenn es immer einen leichten Ausweg gibt – Samuel Fuller erzĂ€hlt in: von Berg/Grob S. 95
cite-note-6868. ↑ zitiert in: Porfirio/Silver/Ursini S. 41
cite-note-6969. ↑ zitiert in: Server S. 35
cite-note-7070. ↑ Peter Wollen in: Will/Wollen S. 10
cite-note-7171. ↑ „Pickup on South Street review – a masterly film noir“ in The Guardian, 23. August 2015. Abgerufen am 24. November 2018.

Literatur

PrimÀrliteratur

‱ Harry Brown, Dwight Taylor, Samuel Fuller, Darryl Francis Zanuck: Blaze of glory – screenplay. Twentieth Century-Fox, 1952. (Erster Drehbuchentwurf vom 19. MĂ€rz 1952)
‱ Samuel Fuller: Blaze of glory – screenplay. 1952. (Drehbuchentwurf vom 13. August 1952)
‱ Samuel Fuller: Pick-up on South Street. Script City, 1952.
‱ Samuel Fuller: Pickup on South Street. In: Scenario – the magazine of screenwriting art. Vol. 4, Nr. 3. RC Publications, New York 1998.

SekundÀrliteratur

‱ Ulrich von Berg, Norbert Grob (Hrsg.): Fuller. Edition Filme, Berlin 1984, ISBN 3-88690-060-6.
‱ Andrew Dickos: Street with No Name – A History of the Classic American Film Noir. University Press of Kentucky, Lexington 2002, ISBN 978-0-8131-2243-4.
‱ Samuel Fuller mit Christa Lang Fuller und Jerome Henry Rudes: A Third Face – My Tale of Writing, Fighting and Filmmaking. Applause Theatre & Cinema Books, New York 2002, ISBN 1-55783-627-2.
‱ Nicholas Garnham: Samuel Fuller. Cinema One 15, The Viking Press, New York 1971, ISBN 0-436-09917-9.
‱ Barry Gifford: Out of the Past – Adventures in Film noir. University Press of Mississippi, Jackson 2001, ISBN 1-57806-290-X.
‱ Phil Hardy: Samuel Fuller. Studio Vista Film Paperbacks, London 1970, ISBN 0-289-70035-3.
‱ Peter Lev: The Fifties – Transforming the Screen 1950–1959 History of the American Cinema Vol. 7. University of California Press, Berkeley und Los Angeles 2003, ISBN 0-520-24966-6.
‱ Eddie Muller: Dark City – The Lost World of Film Noir. St. Martins Griffin, New York 1998, ISBN 0-312-18076-4.
‱ Robert Porfirio, Alain Silver und James Ursini (Hrsg.): Film Noir Reader 3 – Interviews with Filmmakers of the Classic Noir Period. Limelight Editions, New York 2002, ISBN 0-87910-197-0.
‱ Lee Server: Sam Fuller – Film Is a Battleground. McFarland & Company Inc., Jefferson 1994, ISBN 0-7864-0008-0.
‱ Jack Shadoian: Dreams & Dead Ends – The American Gangster Film. Oxford University Press 2003, ISBN 0-19-514292-6.
‱ David Will, Peter Wollen (Hrsg.): Samuel Fuller. Edinburgh Film Festival 69 in association with Scottish International Review, 1969.

Weblinks

Filmdatenbanken

‱ Polizei greift ein bei IMDb
‱ Polizei greift ein in der Online-Filmdatenbank

Essays und weiterfĂŒhrende Informationen

‱ Essay von Rick J. Thompson bei senses of cinema (engl.)
‱ Essay von Luc Sante auf den Seiten der Criterion Collection (engl.)
‱ Essay von Grant Tracey (engl.)